Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Vater

Dieser Song erzählt die fiktive, doch beunruhigend reale Geschichte eines Kindes, das während des Zweiten Weltkriegs aufwächst und seinen Vater durch den Krieg verliert. Jahre später gründet er eine eigene Familie. Die Spuren des Krieges bleiben bestehen. Unverarbeitete Gewalt, Angst und innere Zerrissenheit prägen sein Handeln und zeigen sich in seiner Beziehung zu seiner Frau und seinen Kindern. Die Geschichte wird aus der Perspektive des Sohnes erzählt, der das Verhalten seines Vaters erst später im Leben versteht und ihm schließlich vergibt. Der Song macht deutlich, dass Kriege nicht nur physische Zerstörung hinterlassen. Sie verursachen psychische Wunden, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Gewalt endet nicht mit dem letzten Schuss. Sie wirkt weiter.

Lyrics

Sirenen im Kopf, Pfeifen der Fabrik
Kalter Rauch, kalte Wand, kalter Blick
Eisen in den Händen, Schutt in den Taschen
Ein Junge, der nie fragen durfte

Du bist im Kriegswind groß geworden
Unter Fenstern, die wie Augen schauen
Dein Vater, ein Schatten, nur einmal gesehen
Ein Zug verschluckte ihn, du bliebst stehen
Brot war Zahl, Wasser war Geduld
Die Mauern flüsterten Schuld
Du hast gelernt, still zu sein
Die Welt zu reparieren mit Nägeln und Stein
Du trugst den Winter im Rücken, Hunger im Gesicht
Und hast dir geschworen, ich weine nicht

Du warst der Junge im Keller
Der das Schweigen mit den Zähnen hielt
Du warst der Junge im Keller
Der nie verlor, doch nie gewann

Ich sehe dich, Vater
In Scherben, in Spiegeln, im Regen am Glas
Ich höre dich, Vater
Dein Schweigen war lauter als jedes Wort war
Ich trage dich, Vater
Auch wenn du mich trugst wie ein Stein, nicht wie ein Kind
Ich vergebe dir, Vater
Denn hinter der Faust war ein verletzter Wind

Dann kam ein Sommer, die Stadt roch nach Farbe
Der Staub wurde Gold, als die Sonne ihn traf
Du sahst meine Mutter, ihr Kleid war Versprechen
Sie lachte wie Wasser, trug Zukunft im Arm
Ihr habt gehofft, dass Gestern verblasst
Doch es lief nachts durch die Flure wie Hass
In deinen Händen vibrierte der Alarm
Du wolltest Wärme, doch griffst nach dem Sturm

Du warst der Mann an der Türe
Der sich vor Liebe fürchtete und trat, wenn sie kam
Du warst der Mann an der Türe
Der die Welt hielt, doch sie nicht verstand

Ich sehe dich, Vater
In Scherben, in Spiegeln, im Regen am Glas
Ich höre dich, Vater
Dein Schweigen war lauter als jedes Wort war
Ich trage dich, Vater
Auch wenn du mich trugst wie ein Stein, nicht wie ein Kind
Ich vergebe dir, Vater
Denn hinter der Faust war ein verletzter Wind

Die Küche roch nach Metall und Kaffee
Der Tisch war ein Richter, die Teller aus Blei
Du schlugst meine Mutter, gingst fremd in der Nacht
Ich nannte es Schrei, du nanntest es Leid
Du schlugst mich, du schlugst sie
Und jedes Mal blieb ein Jahr in mir still
Meine Schwester hielt Luft an, die Lampe zitterte
Das Haus lernte, was Angst will
Ich schwor mir, dich zu hassen
Doch meine Stimme brach, wenn ich Vater sagte

Ich sehe dich, wie du nicht weinen durftest
Ich sehe dich, wie du nicht fragen konntest
Ich sehe dich, wie du Worte zerbissen hast
Die du gebraucht hättest, um Mensch zu sein
Ich sehe deine Narben, die niemand verband
Und wie sie uns banden, Hand in Hand

Trommeln wie Hämmer, Pfeifen im Stahl
Herzschläge im Takt der Qual
Piano wie Regen an Fenstern zählt
Die Erinnerung reißt die Nacht entzwei

Ich sehe dich, Vater
Im Sturm, im Licht, im zitternden Glas
Ich höre dich, Vater
Dein Schweigen war lauter als jedes Wort war
Ich trage dich, Vater
Kein Lob, kein Alibi, nur Licht in der Hand
Ich vergebe dir, Vater
Und lege die Waffen ins sandige Land

Sirenen verstummen, Keller sind leer
Wir decken den Tisch ohne Beschwer
Ich nehme das Gute, das in dir war
Und lasse das Böse nicht weiter sein
Ich trage dich, Vater
Nicht als Kette, sondern als Stern im Schwarz
Ich vergebe dir, Vater
Und finde zurück in mein Herz

17. Dezember 2025

Albumtrack

Länge: 05:57

Album

Paradies