Die Puppe
Ein stiller Beobachter in der Dunkelheit. „Die Puppe“ erzählt von einer Gestalt aus Stoff und Stahl, die mehr sieht als jedes menschliche Auge. Sie beobachtet Verrat, Vernachlässigung und ein Zuhause, das langsam zerfällt.
Lyrics
Ich sitze still auf dem Regal
Aus Knopf und Stoff, aus Filz und Stahl
Ich seh’ das Haus, ich seh’ den Tisch
Ich seh’, was du verbirgst im Licht
Die Frau verlässt das Kinderbett
Sie trägt Parfüm, sie trägt ein Netz
Sie lügt mit Lippen, rot geschminkt
Während das Kind im Dunkeln sinkt
Ich kann nicht reden – doch ich seh’
Was du nicht willst, das man versteh’
Ich bin die Puppe – ich seh’ dich an
Ich weiß genau, was niemand kann
Ich bin das Auge, stumm und klar
Ich weiß, was du getan hast – Jahr für Jahr!
Der Junge weint, du drehst dich weg
Du nimmst das Geld – du nimmst den Dreck
Du schläfst am Tag, du schreist bei Nacht
Hast alles leer, kaputt gemacht
Dein Mann ist blind – zu müd’ zum Kampf
Er säuft sich stumm im Arbeitsdampf
Du zählst die Lügen wie dein Geld
Ich seh’ sie alle – Stück für Stück, Welt für Welt
Ich kann nicht greifen – doch ich weiß
Dein Herz ist kalt, dein Blick aus Eis
Ich bin die Puppe – ich seh’ dich an
Ich kenn dein Spiel, ich kenn den Wahn
Ich bin aus Stoff, doch nicht naiv
Ich weiß, wie tief du wirklich liefst
Die Nadeln stecken in der Wand
Ich sah, wie du das Messer fandst
Ich sah das Schweigen in dem Kind
Das längst verbrannt ist wie der Wind
Ich bin die Puppe – ich bin dein Blick
Ich komm zurück – Stück für Stück
Ich weiß, wer du bist – in jedem Raum
Und nachts erscheine ich – in deinem Traum
Ich kann nicht reden.
Doch ich weiß.
Du bist allein.
Ich bleib im Kreis.